STIPENDIUM

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NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen (2002)

Anja Kreysing, Münster (*1967)

architexturen. Kunst · Architektur · Codes

Mit den neuen Technologien haben sich unsere Vorstellungen sowie die "Realitäten" von Raum, Architektur und Wohnen wesentlich verschoben. So ist bereits der Alltag von vielfachen Überlagerungen zwischen physischen Wirklichkeiten und den Wirklichkeiten der "Codes" geprägt. Mobilität und Fluktuation, Datenflüsse und Hypertexturen, das Instabile und Liquide, Deterritorialisierung und Nicht-Orte sind nur einige der Schlüsselbegriffe, um welche die aktuellen Diskurse über neue Technologien, Architektur und Urbanität kreisen. Utopien und Dystopien werden dabei gleichermaßen entworfen.

Das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW hat in diesem Jahr unter dem Motto "architexturen. Kunst, Codes und Architektur" zum Dritten Mal ein mit insgesamt 7.660 Euro dotiertes Stipendium für eine Medienkünstlerin aus NRW ausgeschrieben. Einsendeschluss war der 31. Mai 2002.

Die Jury, bestehend aus Inke Arns (Berlin), Vanessa Joan Müller (Frankfurt) und Iris Dressler (Dortmund), hat sich am 14. Juni 2002 für die Münsteraner Künstlerin Anja Kreysing (*1967) und ihr Projekt „AudioArchitekt“ entschieden.

Das Projekt „AudioArchitekt. reality dub“ untersucht öffentliche und private Räume verschiedener Städte nach ihren je spezifischen „akustischen Abbildern“. Die Geräusche von öffentlichen Gebäuden, Plätzen und Privaträumen sollen auf einer Audio-CD aufgenommen und dann in Form einer „pocketarchitecture“, das heißt eines technischen Gerätes, dass den audiografierten Ort mobilisiert, an die jeweils anderen „Hörplätze“ verschoben werden.

Jurystatement
Das Konzept überzeugte durch seinen originellen Ansatz der akustischen De/Mobilisierung von Architekturen, Räumen und Orten. Positiv bewertet wurde außerdem, dass das Projekt auf vielfältige künstlerische Materialien, Techniken und Handlungen zurückgreift: Es verbindet Audiomaterial, Objekte, Kommunikations-Design, Low- und High-Technologien mit performativen Ansätzen.

Lobende Erwähnungen
Die Jury hat darüber hinaus zwei lobende Erwähnungen ausgesprochen: Zum einen für Michaela Schweiger und ihr Projekt "Multipl(a)y by(e)", dass sich mit der Struktur und Architektur von so genannten "Cyberstädten" auseinandersetzt. Zum anderen für
Susanne Brügger und ihr Projekt "Das Inselproblem", das sich mit der Kartografierbarkeit öffentlicher Räume beschäftigt.