STIPENDIUM

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NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen (2003)

Aurelia Mihai, Düsseldorf (*1968)

Zum vierten mal in Folge hat das Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW das sechsmonatige Stipendium für Medienkünstlerinnen aus NRW vergeben.

Aus 53 Bewerbungen wählte die dreiköpfige Jury die in Düsseldorf lebende und 1968 in Bukarest geborene Künstlerin Aurelia Mihai, die sich mit dem Projektentwurf "Tal der Träumer" bewarb, aus.

Lobend erwähnt wurden darüber hinaus die eingereichten Projekte von Christine Erhard (Düsseldorf) und Monika Pirch (Düsseldorf).

Die Stipendiatin erhält 6 Monate lang eine Unterstützung von monatlich 1.000 EUR. Hinzu kommt eine einmalige Materialpauschale in Höhe von 1.660 EUR. Im Anschluss an das Stipendium ist eine Präsentation geplant.

Die Jury setzte sich aus Iris Dressler (hartware medien kunst verein, Dortmund), Diana Ebster (lothringer 13/spiegel, München) und Anja Kreysing (Stipendiatin 2002, Münster) zusammen.

Das Stipendium des Landes NRW für Medienkünstlerinnen aus NRW wird seit 2000 vom hartware medien kunst verein in Dortmund begleitet.

Begründung der Jury 2003:

1. Aurelia Mihai, Stipendium, Projekt: Tal der Träumer
Aurelia Mihais Projekt "Tal der Träumer" setzt an einer Auseinandersetzung mit der Geschichtskultur in den USA an. Ziel ist eine auf zwei Räume bezogene Installation, die zum einen die Ästhetiken und Sprachen der wissenschaftlichen Ausstellung sowie zum anderen des wissenschaftlich-dokumentarischen Filmes aufgreift. Kalifornien und Nevada werden zum paradoxen Austragungsort ägyptologischer Forschung und Ausgrabungen. Gegenstand der Forschung sind dabei detailgetreue Imitationen des Tutanchamun Grabes oder der Sphinx, wie sie in der Spielermetropole Las Vegas zu finden sind, sowie Film-Sets aus der Hollywood Industrie.
Die Inszenierung einer fiktiven und "gefakten" Altertumsforschung wird dabei von der Realität eingeholt: So wurde das Film-Set von Cecil B. De Milles Monumentarfilm "Die Zehn Gebote" (1923) – d.h. die Kulisse einer 30 Meter langen Tempelarchitektur – nach Ende der Dreharbeiten im Sand der Dünen von Santa Maria vergraben. Vor 10 Jahren wurden Überreste dieser Kulissen gefunden und von Archäologen untersucht. Das Filmset wurde jedoch bisher nicht gehoben.
Die Jury überzeugte die sorgfältigen Vorrecherchen, der konzeptionelle Ansatz sowie die geplante Umsetzung und Präsentation des Projektes. Ausschlaggebend waren darüber hinaus die komplexen Ebenen zwischen Dokumentation, Fiktion, Wissenschaft und Illusionismus, die das Projekt "Tal der Träumer" einander gegenüber stellt.

2. Christine Erhard, lobende Erwähnung, Projekt: Virtuelle Architektur
Das Projekt "virtuelle Architektur" beschäftigt sich mit der medialen Präsenz von modernistischer Architektur in den Massenmedien und der Werbung. Bildnerische Versatzstücke "prominenter" Architekturen wie zum Beispiel Mies van der Rohes Pavillon in Barcelona sowie architektonische Dekorelementen werden de- und rekontextualisiert. Dabei entstehen irritierende, hybride Räume. Ziel des Projektes ist es, ein Magazin aus diesen hybriden Raumbildern zu produzieren.
Die Auseinandersetzung mit der visuellen Repräsentation von Architektur in den Printmedien, das Spiel zwischen Realität und Fiktion, zwischen Wiedererkennen und Irritation überzeugte die Jury ebenso wie das gewählte Format des Magazins: d.h. die Rückübersetzung der de- und rekontextualisierten Bilder in ihr Ausgangsmedium.

3. Monika Pirch, lobende Erwähnung, Projekt "gesucht"
Lobend erwähnte die Jury außerdem Monika Pirchs Projektentwurf "gesucht", eine multimediale Installation, die sich mit den Konsequenzen des beschleunigten Reisens - mit dem Fliegen und mit Flughäfen - auseinandersetzt. Das Projekt setzt an Phänomenen wie Jet-Lag, verloren gegangenen Gepäckstücken oder Personen, die am Flughafen (mittels Schilder oder Lautsprecher-Durchsagen) gesucht werden, an. Insbesondere das Konzept und die Reflexion über die genannten Phänomene konnten die Jury überzeugen.