STIPENDIUM

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NRW Stipendium für Medienkünstlerinnen (2008)

Susanne Weirich, Berlin (*1962)

Jury-Statement
Susanne Weirich
: „Angels in Chains“


Das Konzept von Susanne Weirich sieht eine Untersuchung der dreiköpfigen Frauengruppe vor, die an den Tate / La Bianca-Morden beteiligt waren: Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Leslie van Houten. Die von der Künstlerin bereits geleistete Recherche zu einschlägigen Filmen und TV-Interviews sowie YouTube-Links brachte interessantes Material zutage. Überaus spannend ergab sich in diesem Zusammenhang die Verknüpfung mit der Fernsehserie „Charlie’s Angels“, die auch im Titel der Arbeit anklingt, welche die wirklichkeitskonstituierende Rolle der Medien aufzeigt. Die geplante multimediale Installation wird die Medienbilder und –konstrukte miteinander verknüpfen und das eine Hollywood-Bild mit dem anderen überblenden. Es entsteht eine Art Re-Enactment der 1976 erstmals ausgestrahlten US-Serie „Drei Engel für Charlie“, die 2000 und 2003 als Hollywoodblockbuster erneut in Szene gesetzt worden sind. Deren Inszenierung weiblicher Selbstermächtigung korrespondiert mit der Inszenierung der Frauengruppe der „Manson Family“.


Die Jury hat besonders überzeugt, wie durch das für Frauen unlegitime gewaltsame Verhalten, welches in beiden Fällen „plausibel“ dargestellt wird, ein Gender-Diskurs hergestellt wird. Neben diesen thematischen Aspekten überzeugte die geplante technisch-formale Umsetzung, die in bestehenden Arbeiten von Susanne Weirich bereits hervorragend gelöst wurde, wie sich die Jury aufgrund des eingereichten Materials zum Werk der Künstlerin überzeugen konnte.


Die Förderung durch das Stipendium des Landes NRW für die gebürtige Künstlerin aus Unna (*1962), die seit mehreren Jahren in Berlin lebt, ermöglicht ihr, intensiv an der Konzeption und Realisierung der Installation zu arbeiten. Gezeigt wird die fertige Arbeit im Januar 2009 in der Ausstellung „Man Son. The Horror of the Situation“ die von Frank Barth und Dirck Möllmann für die Hamburger Kunsthalle kuratiert wird und die das Thema Charles Manson und „The Family“ ausführlich beleuchtet.