Ale Bachlechner: Hustle/Idle

HMKV Video des Monats

Videostill aus Ale Bachlechner, Hustle/Idle, 2024, 16:45 Min., Video, Farbe, Ton. Courtesy of the artist.

- ausgewählt von Inke Arns (HMKV) -

Der Film kreist im Loop um die gegensätzlichen Verben “to hustle” (sich ins Zeug legen, fleißig sein, beeilen, drängen, sich etwas auf illegalen Weg verschaffen, Sexarbeit leisten) und “to idle” (faulenzen, leerlaufen, brach liegen, unproduktiv sein). Für jede Rotation schlüpft Ale Bachlechner mit jeweils nur wenigen Requisiten in alle Charaktere eines Serienvorspanns der 1990er Jahre, bis hin zum Hund. Dabei überlagern sich kollektive Bildgedächtnisse, filmsprachliche Konventionen und idiosynkratische Sehnsüchte und Zuschreibungen:

“So möchte ich in der Welt sein. Wie ein Character in einem Serienvorspann. Definiert durch und identifiziert mit einer Tätigkeit, die mich ganz erfüllt, in der ich aufgehe, die allen gleich vermittelt: 'Ach, so jemand ist das!’ Und obwohl ich damit eigentlich selbstgenügsam beschäftigt und aufgehoben wäre, wende ich mich freundlich zur Kamera, drehe mich auf, bringe mich in Position und halte inne, damit du mich anschauen kannst. Es ist ein Zuwenden an ein Publikum, an ein Gegenüber, von dem ich vertrauensvoll annehmen kann, dass es mich erkennt, dass es schon auf mich gewartet hat. ‘Hallo, ich bin’s, euer Lieblings-Character, kennt ihr mich noch von gestern? Heute geht’s wieder so weiter, ein neues Problem, eine neue Lösung, aber ganz wie immer, typisch ich.’”

Ein Auftakt, der nirgends hinführt, eine Vorstellung des schon Bekannten, es gibt keine Entwicklung, höchstens irgendwann Erschöpfung.

Kathi Weeks schreibt in “The Problem with Work”, statt reflexhaft den gesellschaftlichen Nutzen oder mögliche Produktivität von Nichtarbeit (zum Beispiel: 4-Tage-Woche steigert die Effizienz und Wirtschaftlichkeit in Unternehmen) zu betonen, könnte eine spannende Frage sein, warum es eine so große Angst vor Unproduktivität gibt. Sie spekuliert, dass undisziplinierte “Faulheit” großes disruptives Potential hat und vor allem fundamental ergebnisoffen ist und damit auch unsere gängigen Identitätskonstruktionen angreift.

Nach mehreren Durchläufen wechselt das Bild zu einer Slowmotion-Aufnahme einer Frau, die auf einem riesigen Kunstrasen-Wasserbett liegt und leicht geschaukelt wird, da rund um sie, aber außerhalb des Frames, unbekannte Kinder herumturnen. Sie war zu diesem Zeitpunkt im vierten Monat schwanger, hatte in der Nacht vorher kaum geschlafen und hatte starke Rückenschmerzen. In diesem Bild verdichten sich unterschiedliche Annahmen und Zuschreibungen mit Blick auf den weiblichen Körper, gegenderte Arbeit, Liebe, die Kleinfamilie, Reproduktionsarbeit, das Private und das Öffentliche. (Text: Ale Bachlechner)

Ale Bachlechner ist Performance- und Videokünstlerin und lebt in Köln und Wien. Sie hat Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Audiovisuelle Künste an der Kunsthochschule für Medien in Köln studiert. Ihre Arbeiten umfassen die temporäre Dating Agency "Twelve Roses" (2013), das Performance Coaching Institut "This Is Not A Competition" (2016) das online Fernsehformat "Studio Hallo" (2018), die Performance- und Videoinstallation "Ruin Your Life" (2024/25) und eine langjährige Zusammenarbeit mit Elsa Artmann/ Ensemble "Sanfte Arbeit". Sie wurden gezeigt z.B. auf der Art Cologne, der Videonale Bonn, dem EMAF in Osnabrück, dem Kasseler DOKfest, den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, der Diagonale in Graz und dem WUK in Wien. Seit 2016 Lehraufträge, z.B. am Caspar-David-Friedrich-Institut Greifswald und an der Bauhaus Universität Weimar. Von 2018-2021 war sie Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Ihre Monographie "I'm Sure Everybody's Doing Their Best" wurde im DISTANZ Verlag veröffentlicht.

01.–28. Feburar 2026

Ale Bachlechner

Hustle/Idle

2024, 16:45 min., video, colour, sound

 

In der Serie „HMKV Video des Monats“ stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor.

Zurück