Artist Talk: Francis Hunger
HMKV im Dortmunder U | Ebene 3
Foto: Francis Hunger, Statistical Hypnagogia, 2021
Im Rahmen des Formates Kleiner Freitag des Dortmunder U lädt der HMKV zu einem Artist Talk mit Francis Hunger ein, der mit HMKV-Direktorin Dr. Inke Arns über seine Arbeit Statistical Hypnagogia (2021, 12:26 Min.) spricht. Die Arbeit ist Teil der aktuellen Gruppenausstellung Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz, die bis zum 26.07.2026 im HMKV zu sehen ist. Zwischen Archivmaterial, Ideologiegeschichte und Datenästhetik öffnet das Gespräch einen Zugang zu den unscheinbaren, aber wirkmächtigen Bild- und Sprachwelten der Verwaltung – und zeigt, wie sich politische Systeme tief in Technologien, Begriffe und visuelle Ordnungen einschreiben. Der Artist Talk bietet die Möglichkeit, Hintergründe, Rechercheprozesse und künstlerische Entscheidungen direkt mit dem Künstler zu diskutieren und die Arbeit über das reine Seh- und Hörerlebnis hinaus einzuordnen.
Anhand von historischem Filmmaterial des Hauses der Statistik in Berlin untersucht Francis Hunger, wie Bürokratie, Statistik und Computertechnologie den Verwaltungsalltag der DDR prägten und sich in der Sprache des DDR-Sozialismus niederschlugen. Der titelgebende Begriff der „Hypnagogie“ bezeichnet einen Bewusstseinszustand, in den man beim Einschlafen geraten kann und in dem visuelle, auditive und taktile Halluzinationen auftreten. Schwerfällige bürokratische Begriffe hallen durch die Arbeit und bilden einen Kontrast zum heutigen Stadtbild am Alexanderplatz, wo das Gebäude noch steht. In der DDR basierten fast alle Verfahren, Institutionen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf statistischen Daten. Dafür wurden die Staatliche Zentralverwaltung für Statistik und das Zentralamt für Primärdokumentation im Haus der Statistik etabliert. Von hier aus arbeitete die Staatliche Planungskommission an der Umsetzung der Ziele der sozialistischen Wirtschaftsplanung in einem Fünfjahresplan.