John Smith: The Girl Chewing Gum

HMKV Video des Monats

Videostill aus John Smith, The Girl Chewing Gum, 1976, 16-mm-Film transferiert in HD, 12:00 Min., Schwarz-Weiß, Ton. Courtesy of the artist

- ausgewählt von Tom McCarthy, im Kontext der Ausstellung Holding Pattern -

The Girl Chewing Gum entstand in einer Zeit der Avantgarde, in der viele Filmemacher in Großbritannien und darüber hinaus versuchten, die illusionistische Transparenz des herrschenden Kinos zu überwinden. Die meisten, die sich an diesem Projekt beteiligten, konzentrierten sich auf die filmische Materialität und lehnten die Möglichkeit eines ‚Fensters zur Welt‘ zugunsten einer modernistischen Beschäftigung mit dem filmischen Apparat ab. In The Girl Chewing Gum ging Smith etwas anders vor: Sein Interesse lag vor allem darin, die Konventionen, die die filmische Bedeutung strukturieren, durch einen reflexiven Einsatz eben dieser Konventionen zu hinterfragen, anstatt sie rundheraus zu negieren. The Girl Chewing Gum bietet eine spielerische und doch pointierte Erkundung der Rolle, die Sprache – und insbesondere Voiceover – bei der Produktion von filmischer Bedeutung spielt, und behauptet die absolute Unmöglichkeit von Unmittelbarkeit und Neutralität. Aber trotz seiner anti-illusionistischen Kritik bleibt der Film zutiefst mit Erzählung und Humor verbunden, zwei Begriffe, die nicht oft mit dem britischen Avantgarde-Kino der 1970er Jahre in Verbindung gebracht werden.“ (Erika Balsom, „In focus: The Girl Chewing Gum“, Tate Research Publication, 2015)

 

John Smith

John Smith (geboren in London, 1952) studierte am North-East London Polytechnic und am Royal College of Art und wurde danach aktives Mitglied der London Filmmakers' Co-op. In seinen prägenden Jahren ließ er sich von Konzeptkunst und strukturellem Film inspirieren, war aber auch von der eindringlichen Kraft der Erzählung und des gesprochenen Wortes fasziniert, was die Grundlage für sein vielfältiges Werk bildete, das er in den letzten fünf Jahrzehnten entwickelt hat. In seinen Filmen, die oft im alltäglichen Leben und in persönlichen Erfahrungen wurzeln, erforscht und entlarvt Smith spielerisch die Sprache des Kinos und untergräbt die vermeintlichen Grenzen zwischen Dokumentation, Fiktion, Darstellung und Abstraktion.

John Smith hat über 60 Film-, Video- und Installationsarbeiten geschaffen, die in unabhängigen Kinos, Museen und Kunstgalerien auf der ganzen Welt gezeigt wurden. Er hat Retrospektiven seiner Filme auf Filmfestivals in 16 Ländern präsentiert. Im Jahr 2011 erhielt er den Paul Hamlyn Foundation Award for Artists, und 2013 wurde er mit dem britischen Jarman Award ausgezeichnet. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen der Tate Gallery, des Arts Council England, des MoMA New York, des FRAC Île de France, Paris, des Kunstmuseums Magdeburg und des Muzeum Sztuki, Lodz.

01.–30. April 2025

John Smith

The Girl Chewing Gum

1976, 16-mm-Film transferiert in HD, 12:00 Min., Schwarz-Weiß, Ton. Courtesy of the artist

In der Serie „HMKV Video des Monats“ stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor.

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